„Mord ist nichts für junge Damen“: Ein herbstlicher Krimi für spannende, gemütliche Lesestunden

„Mord ist nichts für junge Damen“: Ein herbstlicher Krimi für spannende, gemütliche Lesestunden
Foto: Johannes Plenio / Pexels

Herbstliches Wetter lädt immer zum Lesen ein, finde ich. Man entdeckt das Teetrinken wieder für sich, sucht die Wärme und macht es sich gerne gemütlich. Im Corona-Herbst kann man erholsame Stunden der Ruhe, in denen man sich mal nicht verrückt macht mit allen Eventualitäten, wohl noch mehr brauchen als sonst.

Dazu braucht es eine Lektüre, die ein wohliges Gefühl verbreitet, einen aber auch packt. Mein Vorschlag ist ein charmanter, kluger und lustiger Krimi, der dich in eine andere Zeit mitnimmt. „Mord ist nichts für junge Damen“ ist der erste Band einer Krimi-Reihe von Robin Stevens, geschrieben für junge Leser, aber so gut, dass ich ihn schon mehrmals, und immer im Erwachsenenalter, gelesen habe. In dem Sinne: Wohltuendes Lesen!

Worum es geht:

Die 13-jährige Hazel Wong wird von ihrer Familie in Hong Kong an ein englisches Mädcheninternat geschickt. Das ist das England der 1930er und die Mädchen an der Deepdean-Schule sollen zu vorbildlichen jungen Damen herangezogen werden. Mit ihrer Freundin Daisy hat Hazel die Detektei gegründet und in „Mord ist nichts für junge Damen“ ermitteln die beiden in ihrem ersten Mordfall.

An einem Spätnachmittag im Oktober stößt Hazel in der Turnhalle auf die Leiche ihrer Lehrerin Miss Bell – doch als sie wenige Minuten später mit Daisy an den Fundort zurückkehrt, ist die Leiche verschwunden. Niemand weiß, dass ein Mord begangen wurde, und Hazel und Daisy ermitteln zwischen Schulstunden, der allmorgendlichen „Süßen Pause“ und den immer wilder werdenden Gerüchten, die unter den Schülerinnen die Runde machen.

Das Besondere an diesem Buch:

Die Freundschaft von Daisy und Hazel ist mindestens so wichtig wie ihre Ermittlungen. Hazels wunderbar sympathische und unterhaltsame Erzählstimme macht sich nämlich einige Gedanken zur Dynamik zwischen ihr und ihrer besten Freundin. Dabei zeigt sich, dass Daisy ganz schön dominant ist und Hazel das Leben in der Schule anfangs schwer gemacht hat. Hazel hat allerdings einen ziemlich klaren Blick auf Daisy und merkt, dass auch Daisy nach außen hin nicht unbedingt ihr Innerstes zeigt. Allmählich lernt Hazel, Daisy etwas entgegenzusetzen.

Hazel ist die einzige Schülerin an der Deepdean-Mädchenschule, die keine englischen Eltern hat. Und so wird sie zur Projektionsfläche für all die Fantasien, die ihre Mitschülerinnen und Lehrer über „den Orient“ hegen. Das zeigt zum einen die problematischen Seiten, die zum England der 1930er, in das man sich als Vintage-England-Fan gerne träumt, ganz entscheidend dazugehören, und zum anderen macht „Mord ist nichts für junge Damen“ diese komplexen Zusammenhänge greifbar und fühlbar.

Ein guter Moment für dieses Buch:

Wenn es eine Jahreszeit gibt, die für diesen Roman perfekter ist als andere, dann ist das der Herbst. Den frischen, englischen Oktober führt dir dieses Buch lebendig vor Augen und irgendwie taucht man doch im Herbst besonders gerne in Schulwelten ein, oder? Mir geht es jedenfalls so, vielleicht weil das neue Schuljahr im Herbst immer eine neue Geschichte zu ermöglichen scheint.

Mit seiner Mischung aus Spannung und Gemütlichkeit ist „Mord ist nichts für junge Damen“ wohltuend, wenn du unruhig oder unsortiert bist. Der Roman erlaubt dir, in eine ganz spezielle Vintage-Welt voller Regeln und britischer Traditionen einzutauchen. So bekommst du einerseits Abstand zu deinem eigenen Alltag. Andererseits geht es in dem Buch auch um menschliche Unsicherheiten und Enttäuschungen. Während in dieser Welt also Platz ist für Unschönes und Ängste, bettet der Roman diese Gefühle in einen Raum, in dem man sich sicher und wohlig fühlt und vielleicht genau die Ruhe findet, um schwierigen Gefühlen begegnen zu können.

Cover: carlsen.de

Wer bei diesem Buch in jeder Stimmung richtig ist:

  • Alle, die gerne Flavia de Luce-Krimis lesen und Lust auf eine andere junge Ermittlerin haben.
  • Alle, die die klassischen Krimis des Golden Age of Detective Fiction mögen – alle also, die gerne mal einen Nachmittag mit Miss Marple, Hercule Poirot oder Harriet Vane verbringen. „Mord ist nichts für junge Damen“ ist in seinem Setting im England der 30er Jahre und seinem Aufbau, inklusive der wunderschön gestalteten Übersichtskarte über die Schule, an diese klassischen Whodunits angelehnt.
  • Alle, die ab und zu ganz gerne einen Ausflug ins Schulleben machen.

Wann ich zu etwas anderem greifen würde:

Wenn du gerade viel Energie hast und ein Buch suchst, das dich zum Nachdenken bringt, dir etwas Neues erzählt, dich provoziert oder dazu bringt, dich in gesellschaftliche Themen einzudenken, die dir sonst vielleicht nicht so oft begegnen, dann nutze deinen Schwung lieber und reise mit „Während die Welt schlief“ nach Palästina, nach Indien mit „Die Detektive vom Bhoot-Basar“ oder ziehe mit „1000 Serpentinen Angst“ durch Berlin.

Wenn du dann mal wieder eine Phase hast, in der du dich beim Lesen eher erholen willst, ist „Mord ist nichts für junge Damen“ dann genau das Richtige.

Der Moment danach:

Wenn du „Mord ist nichts für junge Damen“ zu Ende gelesen hast, wirst du sicher sehr guter Dinge sein, aber es vielleicht auch ein wenig schade finden, dass die Lektüre schon vorbei ist. Das macht aber nichts: Das Beste an diesem Roman ist, dass er nur Band eins aus einer Reihe ist, in der es noch an Bord des Orientexpresses geht, du Weihnachten mit Hazel und Daisy in Cambridge verbringen und in die Theaterwelt von London eintauchen kannst. Band zwei heißt „Teestunde mit Todesfall“ und spielt bei Daisys Familie auf dem Land.

„Mord ist nichts für junge Damen“ kann auch zu ausgeprägter England-Sehnsucht führen. Dafür sind wir bei buchgespür natürlich bestens gerüstet und du kannst bei der Queen, im Brexit-England, im jungen London, im romantischen London, im spannenden London oder im London des zweiten Weltkriegs auf deine Kosten kommen.

Daten zum Buch:

Titel: Mord ist nichts für junge Damen
Originaltitel: Murder Most Unladylike
Autorin: Robin Stevens
Übersetzerin: Nadine Mannchen
Verlag: Carlsen
Seiten: 288
Preis: 7,99€
Altersempfehlung: ab 12 Jahren
ISBN: 978-3-551-31740-7

Eine Leseprobe und mehr Infos zum Buch findest du hier auf der Verlagswebsite des Carlsen Verlags.

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