Fernweh stillen mit „Aufruhr in Oxford“

Fernweh stillen mit „Aufruhr in Oxford“
Foto: privat

Wenn der Tapetenwechsel im echten Leben zu kurz kommt, ist es mal wieder Gold wert, dass es Bücher gibt, die einen von zuhause aus überallhin mitnehmen können. Wenn das Bedürfnis, aus den eigenen vier Wänden herauszukommen, besonders stark ist, empfiehlt sich ein Buch mit einem Setting, das einen so richtig packt. Wie wäre es mit einem Oxforder College, also einem sehr alten, abgeschlossenen Ort, an dem nicht alles mit rechten Dingen zugeht? „Aufruhr in Oxford“ ersetzt die eigenen vier Wände mit historischen Steinmauern, innerhalb derer so einiges passiert….

Worum es geht:

Ausflug in die 1930er: Harriet Vane, Krimi-Schriftstellerin, ist berüchtigt, seit sie in ein paar echte Kriminalfälle verwickelt war. Über diesen Ruf ist sie nicht gerade froh und zögert, als sie zu einer Reunion an ihr altes College in Oxford eingeladen wird. Sie entscheidet sich schließlich doch, hinzugehen – nicht wissend, dass ihre früheren Dozentinnen gerade auf der Suche nach jemandem sind, der ihnen möglichst diskret dabei helfen kann, einen Übeltäter ausfindig zu machen.

Jemand am College schreibt Drohbriefe, spielt mit Feuer und scheint etwas gegen weibliche Intellektuelle zu haben. Das soll auf keinen Fall an die Öffentlichkeit kommen, denn die Vermutung, dass ein Frauencollege Verrückte beherbergt, käme den Vorurteilen vieler sehr gelegen. Harriet zieht also wieder in ihr altes College und versucht, der Sache auf die Spur zu kommen. Gleichzeitig muss sie für sich herausfinden, ob sie sich auf eine Ehe mit einem liebevollen Detektiv einlassen soll oder ob sie ein unabhängiges, intellektuelles Leben führen will – oder ob sie beides zusammenbringen kann.

Das Besondere an diesem Buch:

„Aufruhr in Oxford“ ist sehr viel mehr als ein Krimi. Nicht nur kommt das Buch ohne Tote aus und ist trotzdem richtig spannend, sondern der Fall ist untrennbar mit der emotionalen Entwicklung der Hauptfigur verbunden. Was Harriet gerade persönlich beschäftigt, prägt ihre detektivische Herangehensweise. Das war auch das Ziel der Autorin, die vor „Aufruhr in Oxford“ schon einige Erfahrung mit dem Krimi-Schreiben gesammelt hatte und sich für dieses Buch vorgenommen hat, dass es mehr sein soll als ein Mordfall mit Auflösung.

Der Kriminalfall und die Entscheidung, die Harriet für ihr Leben treffen muss, kommentieren aber auch den Blick der Gesellschaft auf Frauen. Dadurch ist das Buch nicht nur ein spannender Krimi, sondern zieht einen durch seine Vielschichtigkeit in seine ganz eigene Welt, in der man sich heute trotzdem wiederfindet.

Buchcover Aufruhr in Oxford
Cover: rowohlt.de

Ein guter Moment für dieses Buch:

Ob gerade eine Pandemie um sich greift oder nicht, „Aufruhr in Oxford“ transportiert Leser ins Oxford der 1930er, deshalb ist es immer eine gute Wahl, wenn man das Gefühl hat, mal rauskommen zu müssen. Da Harriet so eine tiefgehende Entwicklung durchmacht und herausfinden muss, was für sie ein erfülltes Leben ist, ist der Roman, wie ich glaube, auch dann eine gute Wahl, wenn man eine wichtige Entscheidung treffen muss, ob persönlich oder beruflich, oder wenn man seine Prioritäten gerade überdenkt.

Wer bei diesem Buch in jeder Stimmung richtig ist:

  • Fans von Miss Marple – einfach weil es hier ins detektivische England des 20. Jahrhunderts geht, was immer eine Freude ist!
  • Alle, die sich ärgern, dass sie jeden Krimi, den sie lesen, sofort wieder vergessen: Das wird hier nicht passieren!
  • Alle, die noch nie ein Buch gelesen haben, das an einer Uni spielt – Dorothy Sayers schöpft das Setting richtig aus (und es ist ihr neunter Roman – sie kann es wirklich gut)!

Wann ich zu etwas anderem greifen würde:

Da „Aufruhr in Oxford“ eines meiner Lieblingsbücher ist, würde ich immer danach greifen – auch bei Liebeskummer, Langeweile oder innerer Unruhe. Durch das am Ende befriedigend aufgelöste Krimi-Element wirkt das Buch klärend-entspannend und gleichzeitig ist Harriet eine vielseitige, schlagfertige und interessante Frauenfigur, die zu jeder Zeit gute Gesellschaft ist. Aber auch wenn das Buch alles andere als ein düsterer Krimi ist, gibt es Momente, in denen man sich einfach mal nicht mit manipulativen Machenschaften beschäftigen will. Das kenne ich nur zu gut und würde dann eher zu etwas Aufbauendem, Wärmendem raten.

Daten zum Buch:

Titel: Aufruhr in Oxford
Originaltitel: Gaudy Night
Autorin: Dorothy L. Sayers
Übersetzer: Otto Bayer
Verlag: rororo
Seiten: 480
Preis: 10,00€
ISBN:978-3-499-23082-0

Weitere Informationen zum Buch findest du hier auf der Verlagswebsite von Rowohlt.

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