Anspannung abbauen mit „Kleine Feuer überall“

Anspannung abbauen mit „Kleine Feuer überall“
Foto: Emma Simpson / Unsplash

Ob es das Weltgeschehen ist, das uns beschäftigt, oder die ganz normale Arbeitswoche, die uns Energie kostet – oft staut sich im Lauf einer Woche so manches an. Eine Yoga-Einheit ist zwar immer ein guter Anlaufpunkt für Entspannung – mein Vorschlag für Anspannung ist allerdings, ihr ein Lese-Ventil zu bieten. Wenn ein Buch Konflikte austrägt, fesselt und wichtige Fragen stellt, fühlt man sich nach der Lektüre manchmal wieder leichter und hat wieder mehr Energie, um sich mit der Welt auseinanderzusetzen. Mein Tipp für Tage, an denen man die Zähne ein paar Mal zu oft zusammenbeißen musste, ist „Kleine Feuer überall“ von Celeste Ng.

Worum es geht:

Das Leben in Shaker Heights, einem künstlich angelegten Städtchen, ist genau geordnet und perfekt durchorganisiert. Hier lebt die gut gestellte Elena Richardson mit ihren vier Kindern in einem großen Haus – am Ende des Romans wird es in Flammen stehen. Wie es dazu kommt, erzählt uns das Buch.

Als die Künstlerin Mia Warren mit ihrer Tochter Pearl nach Shaker Heights zieht, vermietet Mrs Richardson ihr eine Wohnung und stellt sie als Haushaltshilfe an. Die Kinder der beiden Familien freunden sich an, doch Mrs Richardson vermutet ein Geheimnis in Mias Vergangenheit und fängt an, zu recherchieren. Als Freunde von Mrs Richardson ein Baby mit chinesischen Wurzeln adoptieren wollen, beginnen immer mehr der fein säuberlichen Fassaden zu bröckeln und ein Konflikt über Mutterschaft und unmögliche Entscheidungen braut sich zusammen, bis das geordnete Leben in Shaker Heights in Flammen aufgeht.

Buchcover zu Kleine Feuer überall von Celeste Ng
Cover: dtv.de

Das Besondere an diesem Buch:

Dieses Buch ist von einer Spannung durchzogen, die es einen nicht mehr aus der Hand legen lässt. Es gibt herrlich viele unterschiedlich denkende, überraschende und überzeugende Figuren, die zum Teil in scheinbar unlösbaren Konflikten zueinander stehen. Dass man als Leser die Sichtweise von wirklich jeder Figur nachvollziehen kann und auch versteht, dass es für manche Charaktere unmöglich ist, die andere Perspektive zu verstehen, macht diesen Roman zu einem fesselnden und aufregenden Leseerlebnis.

Ich finde, das Buch hat etwas von einem reinigenden Gewitter. Die Spannungen in „Kleine Feuer überall“ fühlen sich sehr dringlich an. Das liegt daran, dass sie Fragen aufzeigen, die einfach gestellt werden müssen. Wenn man diesen Fragen auch als Leser ins Auge geblickt hat, geht es einem dann besser, man fühlt sich wieder leichter und ist ein Stück weitergekommen. So erlebe ich es zumindest!

Ein guter Moment für dieses Buch:

„Kleine Feuer überall“ ist ein besonders packendes Buch, weil man einerseits wirklich wissen will, wie es zu dem Brand kommt und weil es andererseits so große Fragen stellt – über Mutterschaft, über Familien, über ethische Entscheidungen, darüber, was es heißt, wenn ein chinesisches Kind bei weißen Eltern aufwächst – und es ist verlockend zu denken, dass man auf diese Fragen vielleicht eine Antwort bekommt. Um die Antwort geht es am Ende aber gar nicht, sondern darum, dass dieses Buch einen dazu bringt, sich in die Konflikte hineinzuversetzen und sich zu fragen, welche Entscheidung man wohl selbst treffen würde. Deshalb ist es, finde ich, ein Buch, das auch negative Energien in Denkfutter und spannende Unterhaltung umwandelt.

Selbst wenn einen die Welt gerade mal wieder ein bisschen enttäuscht hat, man von der Arbeitswoche erschöpft ist oder von den Mitbewohnern genug hatte – nach „Kleine Feuer überall“ hat man wieder was zum Diskutieren – und der Tag ist noch richtig interessant geworden.

Wer bei diesem Buch in jeder Stimmung richtig ist:

Wann ich zu etwas anderem greifen würde:

Für mich ist Spannung in Büchern oft eine hilfreiche Art, eigene Anspannung loszuwerden – man kommt aus den eigenen Themen raus, wird unterhalten, und hat wieder mit mehr Energie fürs eigene Leben. Manchmal ist man mit den Konflikten und Spannungen der Welt und des täglichen Lebens aber auch so ausgelastet, dass man nicht noch eine aufwühlende Lektüre braucht. Wenn du eher ein beruhigendes, aufbauendes Buch suchst, würde ich mir „Kleine Feuer überall“ für Momente aufheben, in denen du überschüssige Energie hast und vielleicht erstmal mit einer kurzen, stimmungshebenden Lektüre anfangen wie dieser.

Daten zum Buch:

Titel: Kleine Feuer überall
Originaltitel: Little Fires Everywhere
Autorin: Celeste Ng
Übersetzerin: Brigitte Jakobeit
Verlag: dtv
Seiten: 384
Preis: 11,90 €
ISBN: 978-3-423-14723-1

Eine Leseprobe und weitere Informationen zum Buch findest du hier auf der Verlagswebsite von dtv.

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Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. Wendelin

    Hi Felicitas,

    finde die neuen Überschriften klasse und sehr gut für die Übersicht! Jetzt auch über Google auffindbar – ich hoffe, so stoßen viele neue Leser auf diese Seiten! Weiter so!

    LG Wendelin

    1. admin

      Hi Wendelin,
      das ist ja schön, dass du die neuen Überschriften schon entdeckt hast – genau für eine bessere Orientierung waren sie gedacht 🙂 und ich freu mich auch sehr dass man mich jetzt bei Google findet!
      Danke für die schöne Rückmeldung!
      Liebe Grüße
      Felicitas

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