Ein literarisches Dinner zum Geburtstag – buchgespür wird ein Jahr alt

Ein literarisches Dinner zum Geburtstag – buchgespür wird ein Jahr alt
Foto: Wendelin Mayer

Das erste Jahr buchgespür geht zu Ende – das ist unglaublich und andererseits kommt es mir vor, als gäbe es diesen Blog und den Austausch mit euch treuen Lesenden schon viel länger. In der ersten Coronawelle vor einem Jahr habe ich mir einen Ruck gegeben und endlich das Projekt realisiert, das ich schon lange im Hinterkopf hatte – aus meiner Idee, für jede Stimmung das richtige Buch zu suchen, einen Blog zu machen. Auch wenn buchgespür nach wie vor ein kleiner Blog mit einer kleinen, aber feinen Gruppe an Lesenden ist, habe ich großen Spaß dabei und danke euch allen sehr für den Zuspruch, eure Begeisterungsfähigkeit und die Neugier, die ihr mitbringt! Zur Feier des Tages will ich euch heute zu einem Festessen einladen – zu einem literarischen Dinner mit leckerem Essen, guter Unterhaltung und bester Gesellschaft. Seid ihr bereit?

Hierher wird geladen:

Unser literarisches Festessen braucht natürlich ein atmosphärisches, schönes Ambiente, in dem wir unsere gemeinsame Liebe zum Lesen gehörig feiern können – dafür lade ich euch nach „Island Books“ ein, dem kleinen Buchladen von A.J., den ihr aus „Die Widerspenstigkeit des Glücks“ kennt. In einem viktorianischen Cottage auf der Insel Alice Island in den USA gelegen, macht der Buchhändler A.J. hier eine Entdeckung, die sein Leben verändern wird. Zudem hat sich die Buchhandlung auch schon als guter Ort für den Buchclub seines Freundes Chief Lambiase erwiesen. Ich glaube, atmosphärischer als in einer Buchhandlung, deren Regale voller Geschichten sind, und die selbst der Schauplatz eines wundervollen Romans ist, wird es nicht. Wie durch ein Wunder hat sich hier ein Tisch aufstellen lassen, der für alle Gäste Platz bietet. Der Tisch ist gedeckt und es kann gleich losgehen!

Die Musik:

Die vier Mitglieder des Streichquartetts, die ihr mit all ihrer Energie, ihren Konflikten und ihren Träumen aus „Das Ensemble“ kennt, haben sich bereit erklärt, für uns zu spielen. So werden wir mit wunderschöner, kraftvoller Musik verwöhnt, während wir uns bei einem Aperitif noch ein wenig an den unwiderstehlichen Bücherregalen umsehen und uns freuen, dass aus A.J.s Küche im ersten Stock ein immer deutlicherer Geruch nach gutem Essen herunterweht….

Es kocht für uns:

Ich habe gute Nachrichten für euch: Es ist mir gelungen, Helen, die Köchin aus Isabel Bogdans „Der Pfau“ zu engagieren! Wie manche von euch wissen, ist sie mit allen Wassern gewaschen, keine noch so unangenehme Überraschung bringt sie aus der Fassung und sie kocht unglaublich gut. Freut euch auf ein herzhaftes, reichhaltiges, nicht endendes Festmahl. Jetzt ist es Zeit, Platz zu nehmen! Sucht euch einen freien Platz unter den schillernden Gästen, denen ihr bisher wohl nur zwischen zwei Buchdeckeln begegnet seid. Überlegt also, wo ihr euch wohl am besten unterhalten werdet – dazu stelle ich euch meine literarischen Gäste mal vor.

Die Gästeliste:

Den vielleicht liebenswertesten Gast, Arthur Less aus „Mister Weniger“, muss ich natürlich besonders wohlüberlegt am Tisch platzieren. Deshalb habe ich ihn ziemlich in der Mitte untergebracht, rechts von ihm sitzt Graf Rostov aus „Ein Gentleman in Moskau“, dieser exzentrische, gutherzige und auch in schwierigen Zeiten lebensbejahende Mann, der sich mit Arthur vor allem deshalb gut verstehen wird, weil beide einen ausgeprägten Sinn fürs Genießen haben – und den Blick nicht vor den Absurditäten, Peinlichkeiten und Verrücktheiten des Lebens verschließen. Hier wird der Wein vermutlich am meisten fließen und die Unterhaltung auf jeden Fall nicht langweilig!

Wenn wir den Blick schweifen lassen, entdecken wir Lord Peter Wimsey, den Joker jeder Gästeliste. Er kann über absolut jedes Thema reden und wenn nötig, auch einen Monolog darüber halten – egal ob er Ahnung davon hat oder nicht. Er gibt jeder Person in seiner Nähe das Gefühl, interessant zu sein und kann zum Glück auch gut über sich selbst lachen – im Notfall greift er deshalb darauf zurück, sich über sich selbst lustig zu machen. Ihn kann ich also entspannt am Tischende platzieren und muss mir keine Sorgen um ihn machen. Ganz besonders gut unterhält er sich mit seiner Sitznachbarin Hazel Wong aus „Mord ist nichts für junge Damen“, die anfangs vielleicht noch etwas schüchtern ist, sich aber keinen besseren Tischnachbarn vorstellen kann als Peter Wimsey, den sie und ihre Freundin Daisy schon aus Büchern wie „Aufruhr in Oxford“ kennen. Peter ist fasziniert von den Ermittlungen, die Hazel und Daisy in ihrem Internat durchgeführt haben, und sie tüfteln einen detektivischen Geheimcode aus, in dem sie sich von nun an unterhalten wollen. Dieses Tischende ist also ideal für Krimi-Enthusiasten, aber auch für alle, die sich einfach gut amüsieren wollen.

Foto: Wendelin Mayer

In der Mitte des Tischs, gegenüber vom inzwischen wild gestikulierenden Arthur Less, sitzen zwei junge Frauen Londonerinnen. Queenie, die ihr vielleicht schon aus dem gleichnamigen Roman kennt, lebt in London ein turbulentes Leben, an dem wir hoffentlich bald in einem zweiten Band teilhaben dürfen. Nikki aus „Geheime Geschichten für Frauen, die Saris tragen“ kennt die Stadt mindestens so gut wie Queenie. Als Frauen in ihren Zwanzigern, die beide in schwierigen Umbruchsphasen sind, haben sie sich aber vor allem persönlich viel zu erzählen und ich bin mir ziemlich sicher, dass hier eine Freundschaft in Gang kommt. Wenn ihr selber ein bisschen Redebedarf habt, setzt euch doch zu den beiden.

Lizzie Bennet und Alysba Binat an ihrem Tischende sind wohl die beiden Gäste, die sich am allerbesten verstehen. Das liegt vielleicht daran, dass Soniah Kamal in ihrem Buch „Unmarriageable“ den klassischen Roman „Stolz und Vorurteil“, Heimat von Lizzie Bennet, umgeschrieben hat und ins Pakistan des beginnenden 21. Jahrhunderts versetzt hat. Dadurch gibt es einige charakterliche Gemeinsamkeiten zwischen Soniah Kamals Hauptfigur Alys und Jane Austens Lizzie. Ihr Gespräch beginnt mit dem besten aller Themen, mit dem man andere Menschen kennenlernen kann – ihr ahnt es: sie reden über Bücher. Alys unterrichtet englische Literatur an der British School in der fiktiven Stadt Dilipabad. Dort nimmt sie besonders gerne „Stolz und Vorurteil“ durch, um dabei ihre Schülerinnen besser kennenzulernen. Als leidenschaftliche Leserin will Lizzie einiges von Alys wissen – und träumt sicher davon, selbst einen solchen Beruf ausüben zu können. Aber Lizzie ist kein Kind von Traurigkeit, sondern vor allen Dingen neugierig zu hören, wie sie sich so als Romanfigur macht. Hier wird viel gelacht – und du kannst ausreichend Buchtipps einheimsen!

Und auch wenn der Abend irgendwann zu Ende geht…

…hat ihn genau das ausgezeichnet, wozu wir hier bei buchgespür so oft zusammen kommen: gute Gesellschaft mit Figuren, die die Welt ganz anders als wir oder auch so ähnlich wie wir sehen, die uns zum Lachen und zum Nachdenken bringen oder uns Mut machen. Dass ihr euch gemeinsam mit buchgespür immer wieder auf diese Lesereisen einlasst, bedeutet mir sehr viel. Danke, dass ihr mit dabei seid – ich freu mich auf ein neues Jahr buchgespür mit euch!

Wie ihr wisst, freue ich mich außerdem immer, von euch zu hören und zu erfahren, für welche Situation oder für welche Stimmung ihr einen Lektüretipp gebrauchen könnt. Meldet euch dazu jederzeit bei Facebook, Twitter, als Kommentar unter meinen Beiträgen oder per Email an kontakt@buchgespuer.de.

Lasst den Abend noch schön ausklingen und, sollte das literarische Dinner zu schnell vergangen sein und ihr hättet gern noch ein wenig mehr Zeit mit der einen oder anderen Figur verbracht: Ihr wisst ja, wo ihr sie findet!

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Dieser Beitrag hat 8 Kommentare

  1. Meret

    Liebe Felicitas,
    was für ein fantastisches Geburtstagsdinner für einen großartigen Blog! Herzlichen Glückwunsch – ich freue mich jedes Mal, wenn ich deinen Newsletter erhalte oder auf deinem Blog stöbere! Und bei der Gästeliste machst du es mir wirklich nicht einfach… Ich glaube allerdings in diesem (besonderen) Jahr ist es unausweichlich, dass ich neben Lord Peter Wimsey lande. Und auf die Bekanntschaft mit Less feue ich mich diesen Sommer sowieso noch!
    Alles Gute für das nächste Jahr!

    1. admin

      Liebe Meret,
      lieben Dank für die schöne Rückmeldung und dass du beim Geburtstagessen dabei bist, beides freut mich sehr! Da hast du auf jeden Fall eine sehr gute Sitzplatzwahl getroffen, ich glaube die wirst du nicht bereuen und Peter und du werdet euch sicher richtig gut verstehen 🙂
      Auf ein Neues! Liebe Grüße
      Felicitas

  2. Carolin

    Liebe Felicitas,

    herzliche Glückwünsche zu diesem besonderen Geburtstag! Einfach eine sehr gelungene Idee mit dem Festessen. Besonders habe ich mich über die Anwesenheit von Graf Rostov gefreut, dessen Geschichte ich aufgrund einer Empfehlung von Dir gelesen habe.

    Viele Grüße

    Carolin

    1. admin

      Liebe Carolin,
      vielen lieben Dank!! Ich freu mich sehr, dass du beim Festessen dabei warst und Graf Rostov sogar schon kennengelernt hattest – ich mag das Buch so gerne und hatte lange überlegt, ob ich das Festessen nicht fast im Hotel Metropol abhalten müsste 🙂
      Liebe Grüße
      Felicitas

  3. August

    Hallo Felicitas,

    ein klasse Beitrag! Sehr kreativ und macht Lust auf mehr Bücher! Herzlichen Glückwunsch zum ersten Geburtstag!

    LG August

    1. admin

      Hi August,
      ganz herzlichen Dank für die schöne Rückmeldung!! Vielen Dank, dass du vorbeigeschaut hast und so viel Lust auf Bücher mitbringst 🙂
      Liebe Grüße
      Felicitas

  4. AM

    Hach, da kommen tolle Erinnerungen an das letzte Jahr hoch, hoch die Gläser! Auf deinen Buchblog und die erlesene (!) Gästeliste, der man sich nur zu gerne anschließt! Weiter so!

    1. admin

      Vielen lieben Dank! Ich freu mich sehr, dass du bei buchgespür dabei bist!! 🙂

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