Geschenkidee für gute Freunde und Musikliebhaber: „Das Ensemble“

Geschenkidee für gute Freunde und Musikliebhaber: „Das Ensemble“
Foto: Providence Doucet / Unsplash

Geschenkideen für Menschen, deren Hobbys oder Interessen du selbst nicht teilst, sind oft eine Herausforderung. Wenn du Musikliebhaber in deinem Leben hast, aber nie weißt, welche Aufnahmen sie schon haben und welche du ihnen noch schenken könntest, probier es doch diesmal mit einem Buch, das den ganzen Glamour, den schonungslosen Ehrgeiz und die harte Arbeit des Musikerlebens zeigt. „Das Ensemble“ ist auch ein Roman über Freundschaft in all ihren Facetten und somit auch eine gute Geschenkidee für Menschen, die sich für dich fast wie Familie anfühlen.

Worum es geht:

Kanada 1994: Ein junges Streichquartett erhofft sich den großen Durchbruch beim Esterhazy-Wettbewerb. Die Musiker sind erst Anfang zwanzig und stehen, wie sie hoffen, am Beginn einer gemeinsamen Karriere. Wir lernen sie in der spannungsgeladenen Zeit vor dem großen Wettbewerb kennen und begleiten sie dann durch die nächsten zwanzig Jahre, sehen sie erwachsen werden, sich streiten, an ihrer Technik feilen, immer intuitiver zusammenspielen, Partner finden, Partner verlassen und sie selbst werden.

Die vier Musiker, in die wir dadurch viel Einblick bekommen, dass die Perspektive zwischen ihnen wechselt, sind spannende, lebensechte Figuren. Jana, ehrgeizig und hart zu sich und anderen, spielt die erste Geige, kann aber nachts nur zur Ruhe kommen, wenn Henry, das Bratsche spielende „Wunderkind“, neben ihr liegt. Brit spielt die zweite Geige und ist ruhiger und oft melancholisch, nicht zuletzt, weil Daniel, der Cellist der Gruppe, mit sich selbst hadert und kaum jemanden an sich heran lässt. Diese vier noch so jungen Menschen gehen gemeinsam durch die nächsten Jahre und es ist faszinierend zu sehen, wie ihre Persönlichkeiten mit der Musik und den jeweils anderen drei untrennbar verwoben sind, wie sie gemeinsam wachsen, fallen und spielen.

Das Besondere an diesem Buch:

Das Setting der klassischen Musikwelt hat mir richtig viel Spaß gemacht. Es ist immer faszinierend, Menschen zuzusehen, die richtig gut in etwas sind, ob das Sport oder Musik ist. Man kann mit hochlegten Beinen mitfiebern, wenn sie wichtige Vorspiele haben, ihren Ehrgeiz spüren und teilen, ohne ihm selbst genügen zu müssen.

Beim Lesen habe ich mal wieder realisiert, wie persönlich das Musikmachen ist. Man kann nicht wirklich halbherzig spielen. Die eigenen Emotionen prägen die Musik oder werden durch das Spielen klarer, verändern sich sogar dadurch. Gleichzeitig ist das Spielen auch sehr konkret auf die richtige Haltung, Muskeln, trainierte Finger, gesunde Sehnen und die richtige Körpertemperatur angewiesen. Weil zum Musikmachen das Emotionale und das Körperliche dazugehören, funktioniert es meiner Meinung nach in dem Roman so gut, die Musik als Spiegel und Katalysator für die Entwicklung der vier Freunde wirken zu lassen.

Abgesehen davon finde ich, dass die Autorin es ganz wunderbar geschafft hat, den Fokus auf die Charaktere zu legen. Sie zeigt, wie spannend, wendungsreich und vielseitig das Leben und die Emotionen so sind, und das sorgt für ein kurzweiliges Buch, bei dem man das Gefühl hat, dass richtig viel passiert, obwohl sich vieles davon rein innerlich abspielt. Wenn man im ersten Satz des Kapitels, das vier Jahre später spielt als das vorherige, auf einmal erfährt, dass eine Figur jetzt ein Kind bekommt, kann man es nicht erwarten herauszufinden, mit wem und wann und wie es der Person damit geht und was das für das Quartett bedeutet. Das ist eine charakterbezogene Art von Spannung, die mir sehr gut gefällt!

Ein guter Moment, um dieses Buch selbst zu lesen:

„Das Ensemble“ ist nicht nur als Geschenkidee, sondern auch für dich selbst eine gute Wahl, wenn du Lust auf die Musikwelt hast oder dich fragst, wie es wohl ist, als Künstler zu leben. Weil im Roman immer wieder die beruflichen Spannungen, kritischen Momente und ehrgeizigen Ziele eine Rolle spielen, würde ich das Buch auch empfehlen, wenn du nervös bist, weil ein wichtiger Termin bevorsteht. Es kann dann guttun, ein Buch zu lesen, in dem Anspannung ihren Platz hat und ein ganz normaler, aber bei Weitem nicht der wichtigste, Bestandteil im Leben ist.

Eine Frage, auf die das Buch verschiedene Antworten findet, ist die Überlegung, was eine Familie ist. Die vier Musiker kennen sich gegenseitig unglaublich gut und haben über die Jahre ein so intuitives Gespür für die Stimmungen, Widersprüche und Körper der anderen bekommen, dass ihr Zusammensein oft genauso intensiv und zu gleichen Teilen schwierig und schön ist wie das einer Familie. Zudem erleben die Figuren Familie auch auf unterschiedliche Art und ich finde, das Buch liefert reichlich Gesprächsstoff zum Thema Eltern sein. Deshalb würde ich „Das Ensemble“ auch empfehlen, wenn du dich selbst gerade vom Thema Familie angesprochen fühlst.

Buchcover zu Das Ensemble von Aja Gabel
Cover: piper.de

Wer sich über dieses Buch als Geschenk freut:

  • Die Freundin, mit der du immer wieder davon geträumt hast, eine Geschäftsidee gemeinsam zu verwirklichen und jeden Tag zusammen zu arbeiten. Hier leben das vier Charaktere für euch aus und es ist sehr befriedigend, sich so ein Szenario mit allen Facetten, Höhen und Tiefen mal anzuschauen.
  • Der Musikliebhaber in deinem Leben. Jeder, der ab und zu gerne klassische Musik hört, wird beim Lesen inspiriert, mal wieder was aufzulegen oder das verstaubte Instrument auszupacken. Ich bin mir auch sicher, dass das Buch auf einer weiteren Ebene Spaß macht, wenn man die Stücke kennt, die das Quartett spielt, oder sie heraussucht und auflegt.
  • Freunde und Freundinnen, die in ihren 20ern sind und berufliche Pläne schmieden. Man fragt sich in solchen Phasen ja endlos, was das Richtige für einen selbst ist und wie man sich verwirklichen kann. Hier ist „Das Ensemble“ eine schöne Geschenkidee: Das Szenario, dass man seine Karriere nicht alleine, sondern zu viert plant, jeder von den anderen abhängig ist und man ganz anders an die nächsten Jahrzehnte herangeht, ist eine schöne Erholung davon, ständig mit sich selbst beschäftigt zu sein.

Wann ich zu etwas anderem greifen würde:

Vielleicht ist dein Leben selbst gerade voller Emotionen – manchmal kann man es dann ja brauchen, Figuren zu begegnen, die Ähnliches durchmachen, aber manchmal reicht es auch mit dem emotionalen Drama und man möchte beim Lesen eine Auszeit davon. In dem Fall ist „Das Ensemble“ für dich gerade eher als Geschenkidee brauchbar. Dir selbst würde ich dann erstmal eine Lektüre empfehlen, mit der du an einen anderen Ort abtauchen kannst – wie wäre es mit dem spannungsgeladenen Shaker Heights in „Kleine Feuer überall“ oder dem opulenten Hotel Metropol in „Ein Gentleman in Moskau“?

Daten zum Buch:

Titel: Das Ensemble
Originaltitel: The Ensemble
Autorin: Aja Gabel
Übersetzer: Werner Löcher-Lawrence
Verlag: Piper
Seiten: 400
Preis: 24 €
ISBN: 978-3-492-05854-4

Eine Leseprobe und mehr über das Buch findest du hier auf der Verlagswebsite von Piper.

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