Die schönsten Buchgeschenke: Ideen für Krimi-Intolerante, Neugierige und die, die schon alles haben

Die schönsten Buchgeschenke: Ideen für Krimi-Intolerante, Neugierige und die, die schon alles haben
Foto: Kari Shea / Unsplash

Ob du Weihnachten feierst oder nicht, ich nehme die Weihnachtszeit dieses Jahr zum Anlass, dir Bücher ans Herz zu legen, mit denen du anderen eine Freude machen kannst. Das schönste Geschenk ist ja eins, das die beschenkte Person selbst nicht entdeckt hätte, und das zwar eine ihrer Interessen oder Vorlieben trifft, aber über das hinaus geht, was sie schon kennt. Auf dieser Leseliste findest du besondere Entdeckungen, Anregungen und Lesefutter für lange Wintertage.

Für die Person, mit der du die besten Gespräche hast: „Vielleicht solltest du mal mit jemandem darüber reden“ von Lori Gottlieb

Ein Buch für alle, die sich für Menschen interessieren, neugierig sind und gerne über das reden, was sie gelesen haben. Die amerikanische Therapeutin Lori Gottlieb erzählt davon, wie sie vom Serien-Schreiben zur Psychologie gekommen ist, wie sie nach einer schwierigen Trennung selbst einen Therapeuten aufsucht und wie nicht nur sie selbst, sondern auch ihre Patienten durch die Therapie aufwachen, wachsen, und ihr Leben anders in die Hand nehmen.

„Vielleicht solltest du mal mit jemandem darüber reden“ ist ein spannendes Buch, das Einblick gibt in einen Beruf, über den viele nur vorgefertigte Meinungen haben. Es liest sich wie von selbst, weil es im Plauderton von echten Menschen mit echten Problemen erzählt, die wir alle kennen.

Hier findest du meine ausführliche Besprechung des Buchs.

Für die Person, die nur Sachbücher liest: „Dear Oxbridge“ von Nele Pollatschek

Dieses Buch ist das richtige für England-Liebhaber, für alle, die sich für politisch-gesellschaftliche Zusammenhänge interessieren und für alle, die von sich sagen, nur Sachbücher zu lesen. „Dear Oxbridge“ ist eine kurzweilige, lehrreiche und extrem unterhaltsame Lektüre, die ein Licht auf gesellschaftliche Hintergründe wirft, vor denen man den Brexit auf einmal besser versteht.

Nele Pollatschek, die ihre ganze Jugend über von den Elite-Unis Oxford und Cambridge geträumt hat und schließlich dort zu Ende studiert und promoviert hat, nimmt uns mit in diese Elite-Welt, die sich viele von uns nicht vorstellen können und der auch Boris Johnson und David Cameron entspringen. In ironischem Ton erzählt sie davon, wie bestimmte Gesellschaftsschichten die Elite-Unis dominieren und dort ihre Connections für spätere Machtpositionen knüpfen, wie sie dabei den Unterschied zwischen Privilegien und eigener Arbeit übersehen, dass man in Oxbridge vor allem lernt, richtig gut zu reden und wie man auf Englisch gendert.

Dieses Buch liest sich wie von selbst, liefert reichlich Gesprächsstoff und war für mich sehr erhellend. Hier kannst du auf der Website des Galiani Verlags mehr über das Buch lesen.

Für die Freundin in ihren 30ern: „Was wir sind“ von Anna Hope

In ihren Zwanzigern wohnen Cate, Hannah und Lissa zusammen in London und sind gespannt auf alles, was noch kommt. Zehn Jahre später hat Lissa immer noch keinen Durchbruch als Schauspielerin geschafft, Cate hat ein Baby von einem Mann, den sie ohne Kind nicht so schnell geheiratet hätte, und Hannahs Ehe ist voller Enttäuschung und Schmerz, weil sie seit Jahren vergeblich versucht, schwanger zu werden.

Keine der Frauen hat sich ihr Leben so vorgestellt, wie es jetzt ist, und während die drei ihre Entscheidungen hinterfragen, kommen die Spannungen in ihrer Freundschaft zum Vorschein. Ein Roman, der hinter die Kulisse von Lebensentwürfen blickt, die nach außen hin meistens sehr erstrebenswert aussehen.

Hier kannst du auf der Website des Hanser Verlags mehr über Anna Hopes Roman nachlesen.

Für die Person, der das Reisen besonders fehlt: „Mister Weniger“ von Andrew Sean Greer

Ich verspreche, dass ich eines Tages eine Leseliste schreiben werde, auf der „Mister Weniger“ nicht dabei ist – aber es gibt einfach so viele Situationen, in denen dieses Buch genau das richtige ist!

Vor allem diejenigen, für die Tapetenwechsel wichtig ist und denen die Mobilität im letzten Jahr besonders abgegangen ist, können bei „Mister Weniger“ Abhilfe finden. Der Schriftsteller Arthur Less läuft davon – vor seinem fünfzigsten Geburtstag und vor der Hochzeit seines Exfreunds. Dafür reist er um die ganze Welt: Es wird eine Reise in viele verschiedene Länder, mit Höhen und Tiefen, Peinlichkeiten und einer unglaublich liebenswerten Hauptfigur. Dieses Buch bringt dich zum Lachen und Weinen und gibt Nicht-Reisenden das Gefühl, gerade um die Welt geflogen zu sein.

Hier erzähle ich ausführlicher von Andrew Sean Greers Roman, für den er 2018 den Pulitzer Preis gewonnen hat.

Für die Studentin: „Aller Anfang“ von J. Courtney Sullivan

J. Courtney Sullivans Roman über vier College-Freundinnen beginnt mit einer Hochzeit, Jahre nachdem die jungen Frauen die Uni abgeschlossen haben. Von dort aus geht es in Rückblenden immer wieder zurück in die Studienzeit am Smith College, die gemeinsamen Erlebnisse, die sich verändernde Freundschaft zwischen den vier, ihre Beziehungen, Entscheidungen und das allmähliche Erwachsenwerden.

Ein emotional packendes Buch mit spannenden Figuren, das die Studentin aus deinem Freundeskreis mit Sicherheit ansprechen wird. Ich finde, „Aller Anfang“ ist außerdem genau dann das richtige Buch, wenn man die eigenen Freundinnen vermisst – ideal für Lockdown-Zeiten, also. Hier findest du meine ausführliche Rezension zum Roman.

Für die Person, die Krimis nicht ausstehen kann: „Geschenkt“ von Daniel Glattauer

Dieses Buch kennt die Person, die nie zu Krimis greift, mit Sicherheit noch nicht: Ein Krimi, der genau das Gegenteil von einem Krimi ist.

Der desillusionierte Journalist Gerold Plassek wacht aus seinem etwas missmutigen Alltagstrott auf, als ein Artikel von ihm einen anonymen Spender dazu bewegt, an ein Obdachlosenheim zu spenden. Immer mehr anonyme Spenden gehen ein und sie alle scheinen mit Gerolds Artikeln zusammenhängen. Gerold macht sich, gemeinsam mit seinem 14-jährigen Sohn (von dem er erst seit kürzester Zeit weiß), auf die Suche nach dem Wohltäter. Wird er ihn finden und damit vielleicht auch den Spaß am eigenen Leben wiederentdecken?

Hier findest du diesen mordfreien Krimi auf der Verlagswebsite von Randomhouse. Für den richtigen Krimi-Leser in deinem Leben empfehle ich „Die Detektive vom Bhoot-Basar“ von Deepa Anappara. Ein spannender, gesellschaftskritischer und erschütternder Krimi, der lange nachhallt. Hier erzähle ich mehr dazu.

Für die Freundin in der Quarterlife-Crisis: „Queenie“ von Candice Carty-Williams

„Queenie“ ist ein politisch hellwacher, emotional ehrlicher und ungeschönter Roman, den die Autorin selbst als „schwarze Bridget Jones“ gelabelt hat, weil Bücher von schwarzen Autorinnen ohne Marketing-Schublade es auch deshalb auf dem Buchmarkt schwer haben, weil ihnen häufig vorhergesagt wird, keine breite Leserschaft anzusprechen. „Queenie“ ist das diesjährige „Book of the Year“ bei den British Book Awards 2020 geworden und ist genau das Buch, das deine 25-jährige Freundin, die viel mit sich selbst beschäftigt ist, lesen sollte.

Nach der Trennung von ihrem Freund zieht es Queenie den Boden unter den Füßen weg. Seit dem Studium arbeitet sie bei einer Zeitung, wo sie, die einzige schwarze Mitarbeiterin, nicht die thematischen Schwerpunkte setzen kann, die ihr wichtig sind. Sie begegnet täglichem Rassismus und objektivierenden Blicken, das Verhältnis zu ihrer Mutter ist belastend.

Dieser Roman geht richtig nahe, ist genauso oft lustig wie tragisch, und begleitet Queenie auch in destruktive Verhaltens-Spiralen. Die könnten für manche Menschen mit eigenen schlechten Erfahrungen womöglich zu heftig sein. Wenn du mehr dazu wissen willst, findest du hier meine ausführliche Besprechung zum Buch.

Für den Buchliebhaber, der schon alles hat: „Do you read me?“

„Do you read me?“ ist der Joker für alle Buchliebenden in deinem Leben, bei denen du inzwischen vorsichtig bist, weil sie jedes Buch schon zu besitzen scheinen. Ein wunderschön gestaltetes Buch mit tollen Fotos und interessanten Einblicken in besondere Buchläden auf der ganzen Welt.

Von Tel Aviv über Lagos durch Berlin und nach Lissabon – hier kann man sich in die ganze Welt träumen, ausgefallene Buchladen-Konzepte kennenlernen, sich in Bücherwände aus dunklem Holz verlieben und spannende Biographien entdecken, denn viele Menschen betreiben besondere Buchhandlungen, ohne auf geradlinigem Weg dorthin gelangt zu sein. Hier findest du mehr Infos zum Buch auf der Website von gestalten.

Auf diesen Seiten findet jeder Buchliebhaber Inspiration und pures Glück. Weil das Buch fast 40€ kostet, kannst du damit den Buchladen um die Ecke in seiner Arbeit bestärken und sicherstellen, dass es so besondere und wundervolle Orte auch in Zukunft gibt.

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