Die besten Freundinnen wiedersehen in „Aller Anfang“

Die besten Freundinnen wiedersehen in „Aller Anfang“
Foto: Helena Lopez / Unsplash

Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber so schön es ist, Freundinnen und Freunde am Telefon oder per Video zu sehen, so machen mich diese Gespräche auch noch sehnsüchtiger nach gemeinsamen Erlebnissen. Es ist einfach doch was anderes, ob man zusammen anstoßen kann oder ob sich der Kaffeebecher ständig mit den Kopfhörern verheddert. Wenn du gerne ein bisschen in alten Erinnerungen schwelgen möchtest und die Wartezeit bis zum nächsten gemeinsamen Abend verkürzen willst, empfehle ich J. Courtney Sullivans Roman „Aller Anfang“.

Worum es geht:

Vier College-Freundinnen finden ihren Weg ins Leben nach der Uni. Bree, April, Celia und Sally haben alle ihre eigenen Themen und Aufgaben, müssen Entscheidungen treffen, Prioritäten setzen und herausfinden, wer sie sein wollen – im Beruf, in Beziehungen und in Freundschaften. Erzählt wird abwechselnd aus der Perspektive jeder Frau. Dadurch sieht man als Leser Konflikte, Entscheidungen und Eindrücke von mehreren Seiten und hinterfragt immer wieder die eigenen Urteile.

Der Roman beginnt am Wochenende von Sallys Hochzeit, bei der alle vier wieder zusammentreffen. Durch viele Rückblicke begleitet man die Freundinnen aber auch durch ihre Zeit am College. Man erfährt, wie sie sich kennengelernt haben und wie das Leben am Smith College, an dem nur Frauen studieren und an dem die Autorin selbst studiert hat, so ist. Dieses College kam mir wie eine eigene Welt vor und ich fand es sehr interessant und unterhaltsam, dort unterwegs zu sein!

Das Besondere an diesem Buch:

Die Mischung aus Tiefe und Leichtigkeit macht diesen Roman zu einer lustigen, lebensnahen und zum Nachdenken anregenden Lektüre. Man lernt die Figuren so gut kennen und verstehen, dass man einfach wissen muss, wie es für sie weitergeht. Gleichzeitig stellt das Buch viele Fragen – in welche Genderrollen man hinein gerät, wie man Feminismus leben kann, wie man herausfindet, wer man sein will – und wie man es schafft, diese Person auch zu werden in all dem, was man von der Familie mitbekommen hat.

Die Autorin erzählt immer wieder, wie gerne sie für ihre Romane recherchiert und sich in neue Themen einliest – das merkt man auch bei „Aller Anfang“. April arbeitet für eine feministische Aktivistin und reist für die Organisation „Women in Peril, Inc.“ an Orte, an denen Frauen Gewalt ausgesetzt sind. Ich habe durch Aprils Arbeit viel gelernt und hatte, um ehrlich zu sein, bei einem Buch über vier College-Freundinnen nicht erwartet, mich beim Lesen mit Sex Trafficing zu beschäftigen. Ich fand es toll, dass dieses Buch auch dafür Platz findet.

Buchcover Aller Anfang
Cover: hanser.de

Ein guter Moment für dieses Buch:

Wenn man seine Freundinnen vermisst und gemeinsamen Zeiten nachhängt, ist „Aller Anfang“ eine perfekte Ergänzung dazu – vieles in dem Buch wird man aus dem eigenen Leben wiedererkennen und gleichzeitig denkt man durch die Lektüre noch ein bisschen weiter, als man es sonst vielleicht tun würde. Abgesehen davon würde ich das Buch empfehlen, wenn man eine größere Entscheidung treffen muss und dabei ist, seine Prioritäten zu überdenken.

Wer bei diesem Buch in jeder Stimmung richtig ist:

  • Alle, die dem Leben feministisch begegnen
  • Alle, für die die eigenen Zwanziger immer einen besonderen Reiz hatten
  • Neugierige, die wissen wollen, wie es sich an einem reinen Frauen-College studiert

Wann ich zu etwas anderem greifen würde:

Eine Stärke des Romans sind die guten Beobachtungen zwischenmenschlicher Details – unbewusste Gefühlsregungen, unkluge Impulse und Gedanken, die jeder wiedererkennen wird. Dieses Gefühl, sich in den Figuren selbst zu entdecken, kann sehr schön und auch sehr tröstend sein – aber manchmal will man gerade mal nicht wieder bei sich selbst landen, sondern lieber ein wenig rauskommen aus dem eigenen Gefühlsleben. Dafür bietet sich dann eher etwas Historisches an oder ein Buch mit besonderem Setting.

Daten zum Buch:

Titel: Aller Anfang
Originaltitel: Commencement
Autorin: J. Courtney Sullivan
Übersetzerin: Henriette Heise
Verlag: Deuticke Verlag
Seiten: 432
Preis: 22,00€
ISBN: 978-3-552-06395-2

Eine Leseprobe und weitere Informationen findest du hier auf der Verlagswebsite von Hanser.

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Dieser Beitrag hat 4 Kommentare

  1. AM

    Das Buch „Aller Anfang“ verschlinge ich geradezu! Es ist perfekt für Nostalgiemomente und man kann sich in so vielen Facetten der Protagonistinnen wiederentdecken – ein Hoch auf die Zwanziger 😉
    Danke für den Tip!

    1. admin

      Wie schön, dass dir das Buch auch so gut gefällt! So hab ich mir das gewünscht 🙂 Ich habe letzte Woche auch wieder drin gelesen und finde auch, dass man sich in dem Buch einfach so rundum wiederfinden kann!
      Liebe Grüße und viel Spaß noch beim Lesen!

  2. Wendelin

    Hi, klingt gut! Schön besprochen! Ich finde, deine Artikel haben genau die richtige Länge! Ist Sally in dem Buch bisschen die Außenseiterin, weil ihr Name nicht mit „ABC“ anfängt? 🙂

    Was würdest du als Geschenkidee für jemanden empfehlen, der in letzter Zeit nicht mehr so viel gelesen hat (am besten spannend und nicht abschreckend dick, wahrscheinlich)? Vielleicht als Inspiration für einen neuen Artikel…

    LG Wendelin

    1. admin

      Hi Wendelin!
      Freut mich sehr, dass dir die Artikel gefallen! Tja, wie Sally wohl damit klar kommt, weiß man wohl erst am Ende vom Buch… 😉
      Für deine Geschenkfrage würde ich auf die Schnelle „Der Circle“ von Dave Eggers empfehlen, weil der Plot so mitreißend und aktuell ist, dass man leicht vergisst, dass man gerade liest. (Das Buch hab ich tatsächlich schon mal einem Freund empfohlen, der mal wieder anfangen wollte zu lesen – ich glaube, er hat es immer noch und hat fest vor es zu lesen 😉 ) Wenn ein Klassiker nicht an sich schon eine zu große Hürde ist, würde ich ansonsten „Frankenstein“ von Mary Shelley vorschlagen! Da ist man vielleicht motiviert, weil man es mal gelesen haben will, und dann ist es unglaublich spannend, die Seiten verfliegen und am Ende ist es einem viel zu schmal.
      Danke auf jeden Fall für die Anregung, ich werde das Thema gerne in einem zukünftigen Blog-Artikel aufgreifen!
      Liebe Grüße
      Felicitas

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