Die besten Bücher 2020: Meine Favoriten aus dem ersten Halbjahr

Die besten Bücher 2020: Meine Favoriten aus dem ersten Halbjahr
Foto: Markus Winkler / Pexels

Das erste halbe Jahr 2020 war für mich so eine spezielle Mischung aus verfliegender Zeit und absolutem Stillstand, dass ich kaum glauben kann, dass es schon vorbei ist! Grund genug für eine neue Liste und einen Rückblick über die besten Bücher, die ich in den letzten sechs Monaten gelesen habe. Manche der Bücher sind in diesem Jahr neu oder erstmalig auf Deutsch erschienen, andere sind älter, aber von mir erst 2020 entdeckt. Ich habe mit aller Anstrengung versucht, mich auf fünf Bücher zu beschränken, aber das war unmöglich. Hier sind also meine sieben bisherigen Favoriten – in einer Reihenfolge, die sich hoffentlich gut liest, aber keine Wertung darstellt. Ich hoffe, du hast auch Spaß an einem Lese-Rückblick aufs erste Halbjahr 2020 und freue mich, wenn du eigene Buchtipps und Lese-Highlights in den Kommentaren weitergibst!

1. „Der Gesang der Flusskrebse“ von Delia Owens

Dieses atmosphärische, mitreißende Buch lässt sich in keine Kategorie packen. Es ist ein Roman über die Natur, über Einsamkeit, über Familie. Es ist aber auch eine Liebesgeschichte – und ein Krimi. Mich und viele andere hat dieses Buch richtig in den Bann gezogen und wenn du es noch nicht kennst, hast du wirklich etwas Besonderes vor dir!

Seit Jahren häufen sich in Barkley Cove, einem Dorf an der Küste von North Carolina, Gerüchte über das „Marschmädchen“, ein Mädchen, das alleine im Marschland zu leben scheint. Als ein junger Mann aus dem Dorf tot aufgefunden wird, dauert es nicht lange, bis der Verdacht auf Kya, das „Marschmädchen“, fällt. In schnell wechselnden Zeitebenen und Rückblenden erfahren wir mehr über das Leben von Kya, ihre schmerzvollen Verluste und ihre Liebe zur Natur, die ihr Leben auf mehr als eine Art prägt.

Mehr Infos zum Buch findest du beim Verlag.

2. „Queenie“ von Candice Carty-Williams

Die 25-jährige Londonerin Queenie jobbt seit dem Studium bei einer Zeitung. Ihr Leben läuft allerdings überhaupt nicht so, wie sie sich das vorstellt. Ihr Freund beendet die Beziehung, in der Arbeit kann sie, die einzige schwarze Frau in der Zeitungsredaktion, nicht die thematischen Schwerpunkte setzen, die sie wichtig findet, das Verhältnis zu ihrer Mutter ist belastend und ihre jamaikanischen Großeltern haben kein Verständnis dafür, dass sie psychisch gerade einiges durchmacht.

Queenie kämpft sich durch das ganze Gefühlschaos, das einen nach einer schwierigen Trennung erwartet und das vor innerer Klarheit immer erst überwunden werden muss. Sich selbst und mehr Selbstbewusstsein zu finden, ist nicht leicht und Queenie entscheidet sich auf dem Weg dorthin häufig für destruktiven Sex, versucht immer wieder, sich in der Arbeit zu mehr Commitment durchzuringen und hat bei allem, was sie erlebt, zum Glück richtig gute Freunde.

Hier findest du meine ausführliche Besprechung von „Queenie“. Infos zum Buch gibt es beim Verlag.

3. „Was wir sind“ von Anna Hope

Welche Freiheiten haben privilegierte junge Frauen heute und welche Entscheidungen müssen sie treffen? Diese Fragen stellt der neue Roman der englischen Autorin Anna Hope, über den du hier nachlesen kannst. Dieses Buch über die Freundschaft zwischen drei Frauen werde ich in Bälde ausführlicher besprechen.

Wir lernen die drei Freundinnen Cate, Hannah und Lissa in ihren Zwanzigern kennen, als sie in einem gemeinsamen Haus in London leben, alle Entscheidungen noch vor sich haben und Pläne für ihr Leben schmieden. Dann treffen wir sie in ihren Dreißigern wieder. In dieser Phase ist jede der drei Frauen enttäuscht von ihrer Lebenssituation und hadert mit ihren Entscheidungen. Dieser Roman über eine Generation von Frauen, die so viel mehr Möglichkeiten hat als die ihrer Mütter, und die ihre Freiheit trotzdem nicht immer leben kann, macht süchtig!

Bild von London
Foto: Benjamin Davies / Unsplash

4. „Vortreffliche Frauen“ von Barbara Pym

Hier kommt noch ein London-Roman – wenn es um London geht, werde ich fast immer schwach. Barbara Pym, die schon mit Jane Austen verglichen wurde, habe ich ganz neu für mich entdeckt. Ihr Roman „Vortreffliche Frauen“ ist aus dem Jahr 1952 und zeichnet ein eindrückliches Bild vom Nachkriegs-London.

Sehr viel passiert in diesem Buch überhaupt nicht. Viel mehr geht es um alltägliche Kleinigkeiten – die Gedanken, die man sich so macht, die Hoffnungen, denen man kurzzeitig nachhängt, und die unglorreichen Momente, die einen wieder auf den Boden holen. Es ist sehr amüsant, der ganz vorbildlichen Pfarrerstochter Mildred durch ihr geordnetes Leben zu folgen, das durch ein junges Paar, das in ihr Haus zieht, aufgerüttelt wird. Dieses Buch ist auf eine sanfte Art unterhaltsam, lustig und klug.

Bis zur noch anstehenden Rezension auf buchgespür findest du mehr über das Buch beim Verlag.

5.. „1000 Serpentinen Angst“ von Olivia Wenzel

Bild von bemalter Backsteinmauer
Foto: Stanislav Kondratiev / Unsplash

„1000 Serpentinen Angst“ spielt in Berlin, Marokko, den USA und Vietnam. Die Anfang dreißigjährige Ich-Erzählerin stellt sich in diesem Roman ihren Erinnerungen, ihren Verletzungen und vor allem ihren Ängsten. Ob das die Angst vor Terror oder rassistischer Gewalt ist oder die Angst vor dem Schmerz ihrer Vergangenheit – die Erzählerin nimmt uns mit in ihre Gedanken.

Das tut sie nicht auf herkömmliche Art, sondern mit Gedankensprüngen und in wechselnden Formaten, mal dialogisch, mal ausgehend von Fotografien, die beschrieben werden und die Hauptfigur auf bestimmte Gedanken bringen. Diese Art zu erzählen war für mich ein richtiger Sog. Mehr zum Roman erzähle ich in meiner Rezension, die restlichen Infos hat der Verlag.

6. „The Girl Who Never Read Noam Chomsky“ von Jana Casale

In diesem Roman geht es um eine Frau – das ist auch fast schon alles und genau das Tolle an diesem Buch. Die noch sehr junge amerikanische Autorin Jana Casale zeigt, dass all die Themen, Entscheidungen, Gefühle und Gedanken eines nicht besonders außergewöhnlichen Lebens genug sind. Ich konnte mich in so vielen Aspekten wiederfinden und habe mir vorgenommen, in jeder Lebenskrise zu diesem Roman zurückzukehren!

Zu Beginn des Romans ist Leda eine junge Studentin, die davon träumt, Schriftstellerin zu werden – und am Ende des Buchs hat sie ihr Leben zu Ende gelebt. Der Titel des Romans zeigt genau die Art von Nuance, die in diesem Buch Platz findet: die ungelesenen Bücher, die Entscheidungen, die schließlich doch nicht getroffen wurden, das Ungesagte – genauso wie die Momente des Glücks. Ich war hin und weg von diesem Buch! Leider und aus unerfindlichen Gründen ist es noch nicht auf Deutsch erschienen – fürs Erste ist der Roman also eine Empfehlung für alle, die gerne mal auf Englisch lesen.

Der Verlag hat weitere Infos.

7. „Middle England“ von Jonathan Coe

Dieser Roman schildert die Jahre vor dem Brexit in England. In den Erfahrungen und dem Alltag der vielen Figuren werden die Spannungen, Konflikte und Themen, die zum Brexit beigetragen haben, spürbar. Dabei begegnen wir nur wenigen Politikern und dafür umso mehr Menschen, die ganz unterschiedliche Meinungen zu dem Thema haben und man beginnt, sie immer besser zu verstehen.

Ich fand dieses Buch einen sehr zugänglichen und gleichzeitig sehr vielseitigen Hintergrund zum Brexit. Da sich die politischen Spannungen vor allem in privaten Beziehungen zeigen, bekommt man einen sehr direkten, alles andere als abstrakten Eindruck von den Zusammenhängen.

Hier findest du meine ausführliche Besprechung von „Middle England“ und zur Verlagswebseite geht es hier.

Wie war euer erstes Lesehalbjahr 2020? Welche Bücher haben euch in den letzten Monaten begeistert? Habt ihr alte Lieblingsbücher wiederentdeckt oder neue Autoren gefunden?

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